2.3.4.8. Gott und Mensch

Wie können wir von dieser Gott-Welt-Blase zu einem Bild kommen, welches den über Alles (über das All!) nachdenkenden Menschen besonders berücksichtigt und ausdrücklicher mit einbezieht? Das Bild von der Blase muss dazu ein wenig verändert werden: Der Mensch ist ja, im Unterschied zu Gott, selber ein Teil dieser Welt, durch biologische Evolution aus ihr entwickelt, aber er ist zugleich ein Stück Welt, das in der Lage ist, diese Welt, theoretisch Alles, praktisch zumindest vieles davon wahrzunehmen, sich selber und seine Mitmenschen eingeschlossen, dies alles zu denken und in bescheidenen Ansätzen manches davon auch selber zu gestalten. Ein Mensch könnte sagen: indem ich über Alles und schließlich über das All nachdenke, ist all dies (vorübergehend) in mir, füllt mich zeitweise aus, verändert mich und wird durch mich verändert. Das gesuchte Bild sollte also die Erkenntnis des allendlich Ganzen durch ein menschliches Individuum wiedergeben, das selbst Teil dieses Ganzen ist, oder noch stärker auf meine Version der Unendlichkeit rekurrierend: es soll das Allendliche im unendbaren Fluss durch Einen zeigen (und natürlich auch durch die Anderen, soweit auch sie diese Beziehung zum All aufgenommen haben!). Noch gedrängter und schon mystisch: gesucht wird ein Bild der sich in einem Punkte selbst unendbar erkennenden Allendlichkeit! Es ist klar, dass dieses Bild eine schleifenartige Rückbezüglichkeit enthalten muss, eine Schlaufe oder Schlinge, mit einem Knoten oder einem Nadelöhr, durch das in unendbarer Weise die in der Weltgeschichte vielfältig verflochtenen Stränge des allendlichen Seins laufen (erinnern Sie sich an den Knüddelknoten im Einleitungskapitel!).

Das eben Beschriebene könnte man mit folgendem Schema wiedergeben. Es hat eine gewisse Strukturähnlichkeit mit der nach dem Mathematiker C. F. Klein (1849 - 1925) benannten "Kleinschen Flasche", trifft das Gemeinte aber vielleicht doch noch genauer:

Und wo finde ich in diesem Schema Gott? Ich glaube: gar nicht, es sei denn, dass sich aus dem wahrnehmend-denkend-handelnden Menschen, diesem Nadelöhr des Weltalls, eine weitere Blase herausstülpt (oder genauer: in diesen hinein), in welcher der Mensch einem Gott oder mehreren Göttern all dasjenige zuschreiben kann, was er an Großem und Bedeutendem („Allendlichem“ und „Unendbarem“) in sich selbst und in der Welt vorfinden kann. Ein solcher Gott und neben ihm auch noch ein paar andere Götter könnten gemeinsam die Menschen (es sind ja mehr als einer!) darin unterstützen, das All wahrzunehmen, zu denken und wenigstens in engen Bereichen ansatzweise zu gestalten. Ich habe aber Schwierigkeiten, diese Ausstülpung in die Zeichnung einzubringen, weil es nicht so einfach ist, dabei die genannten Abbildungs-Verhältnisse zeichnerisch zu verdeutlichen. Das gilt auch für die „Schöpfungs“-Beziehung zwischen Gott und der Welt, die selbst ohne den Menschen, ohne dieses Nadelöhr des gesamten Seins, ihre anfangssetzende Bedeutung hätte, theologisch jedenfalls. Aber da ich selber nicht daran glaube, brauche ich meine Zeichnung nicht mit diesem Detail zu verkomplizieren.

An dieser Stelle möchte ich mit dem Spekulieren und Schema-Zeichnen aufhören, damit ich es nicht mit den geneigten Leserinnen und Lesern verderbe und ihre Toleranz und Geduld nicht überstrapaziere! Ich nehme solche Schemata selber nicht ganz ernst, und ich kann auch auf ihre Verwendung verzichten, wenn ich mich eingehender mit den komplexen Zusammenhängen befasse, die mit einem so einfachen Schema ja nur angedeutet werden können.