3.7.3. "Drag": Gravionenwiderstand gegen Orbitalbewegungen von Satelliten

Es gibt noch weitere Phänomene, die für eine so hohe Eigengeschwindigkeit der Gravionen sprechen. Dazu gehört das schon sehr früh erkannte Problem, dass die sich im Raum isotrop bewegenden Gravionen den Umlaufbewegungen größerer Himmelskörper um ihr Zentralgestirn einen Widerstand entgegensetzen müssten, der die Umlaufgeschwindigkeit bremsen würde. Dies muss in Zusammenhang damit gesehen werden, dass die Gravionen ja in der Lage sein sollten, auf Körper gravitative Wirkungen auszuüben. Denn wenn die isotrop auftreffenden Gravionen unter bestimmten Bedingungen (gegenseitige Abschattung, totale Abschirmung) durch gravitativen Druck Körper aufeinander zu bewegen können, dann impliziert das zugleich, dass ein solcher Körper in seiner Spontanbewegung durch den Raum oder in seiner Umlaufbahn um einen anderen Körper dementsprechend die aus der Gegenrichtung kommenden Gravionen als Bewegungswiderstand erfahren müsste. Einerseits muss also die gravitative Wirkung der Gravionen groß genug sein, um die gegenseitige "Anziehung" der Körper bewirken zu können, andererseits darf sie nicht allzu groß sein, weil die Gravionen sonst Satelliten und Planeten in ihrer Orbitalbewegung merklich bremsen würden. Denn in einer Umlaufbewegung befindliche Himmelskörper wie der um die Erde kreisende Mond und die um die Sonne kreisende Erde würden beim Vorhandensein von isotrop im Raum sich bewegenden Gravionen einen relativ stärkeren Zustrom von den jeweils entgegenkommenden Gravionen erfahren, im Unterschied zu den Gravionen, von denen sie quasi erst von hinten eingeholt werden müssten. Und zwar ist der Gegenstrom um so stärker, je schneller die Trabanten oder Planeten sich in ihrer Umlaufbahn bewegen. Ihre eigene Geschwindigkeit würde sich durch solchen Gravionen-Widerstand etwas verringern müssen.

Nun ist aber eine merkliche Verlangsamung der Orbitalbewegung als Folge eines Gravionen-Widerstandes ("drag") bislang empirisch in unserem Sonnensystem noch nie festgestellt worden (J. Evans, PG 32; T. Van Flandern, PG 103; V. J. Slabinski: Force, Heat and Drag in a Graviton Model, PG 128). Die Trabanten wie der Mond und die Planeten wie die Erde sind anscheinend nicht langsamer geworden, sie haben ihre Bahnen anscheinend sogar über Jahrmillionen beibehalten. Dieser schon von Laplace (Evans, PG 32) und in unserer Zeit von Feynman (Halton Arp, PG 57) angemahnte Widerspruch wurde auch von anderen Kritikern einer Korpuskulartheorie der Gravitation als Argument verwendet, um sie als unhaltbar und endgültig falsifiziert hinzustellen. Das wäre aber ein Schnellschuss, wie eine gründliche Überprüfung mittels einer Modellrechnung zeigen kann. Ich werde auf solche Rechnungen nur verweisen, und beschränke mich selber auf die Darstellung des darin implizierten Gedankenganges. Der Widerstands- oder Bremseffekt ("gravitational drag") erreicht nämlich nur dann ein empirisch feststellbares Ausmaß, wenn die Umlaufgeschwindigkeit der Himmelskörper sehr hoch ist und die Eigengeschwindigkeit der Gravionen in der Nähe bisher vorgefundener Höchstgeschwindigkeiten, insbesondere der Lichtgeschwindigkeit c, bleibt.

Wie schon beim Phänomen der unmerklichen Aberration kann auch ein nicht feststellbarer Gravionen-Widerstand ("gravitational drag") mit dem Le Sage-Konzept vereinbar sein, wenn eine Gravionengeschwindigkeit vorausgesetzt wird, die in allen Richtungen um einige Größenordnungen höher als die Lichtgeschwindigkeit ist. Bei einer in Relation zur Umlaufgeschwindigkeit von planetarischen Himmelskörpern extrem hohen Eigengeschwindigkeit und geringen Dichte der Gravionen wäre der Widerstand unmessbar gering, denn er ist proportional zur Dichte und zur Geschwindigkeit der Gravionen, während sich die Gravitationskraft proportional zum Quadrat dieser Geschwindigkeit (T. Van Flandern, PG 114) bemisst. Bei sehr hoher durchschnittlicher Gravionengeschwindigkeit und im Verhältnis dazu geringer Geschwindigkeit von Himmelskörpern in Umlaufbahnen kann diese Relation gegen Null gehen, und somit auch den zunächst erwarteten Widerstand ignorierbar werden lassen. Ein minimaler, praktisch ineffektiver Widerstand, nämlich ohne die Umlaufbahn für uns erkennbar zu ändern, würde aber bleiben. Aber das bringt für das Modell keine Schwierigkeiten. Es setzt allerdings Grenzen für die Eigenschaften der Gravionen (T. Van Flandern, PG 102/103), und zwar dürfen die von den verschiedenen Problemfeldern (Aberration, "drag", etc.) abgeleiteten Grenzwerte einander nicht grob widersprechen, weil sonst das Modell falsifiziert würde. Aber bis jetzt sieht Van Flandern keine Tatsachen, die dermaßen unterschiedliche Schätzungen der Gravionengeschwindigkeit nahe legen würden. Wenn somit als wahrscheinlich angenommen werden kann, dass die Gravionen sich mit überaus hoher Geschwindigkeit durch den Raum bewegen und zugleich so klein sind, dass ihnen sogar jede Eigenmasse abgesprochen werden könnte, dann erscheint es als realistisch, dass sie zwar die tatsächlich feststellbaren Gravitationskräfte ausüben, aber gerade nur einen so minimalen Widerstand gegen die Orbitalbewegungen der Gestirne bewirken, dass dieser faktisch nicht ins Gewicht fällt. Da bei gleich hoher Gravionengeschwindigkeit auch die Aberration minimal wäre, kann das Korpuskular-Modell der Gravitation beiden Einwänden standhalten (V. J. Slabinski, PG 128). In Bezug auf den Widerstand gegen Orbitalbewegungen und auf die Aberration ist die Gravitationstheorie somit nicht in Konflikt mit astronomischen Beobachtungen (P. Stowe, PG 195).

Aber das eben Referierte möchte ich so nicht stehen lassen, es sind noch weitere Einwände zu erheben. Denn das behauptete Fehlen von Drag-Effekten bei den Umlaufbahnen von Planeten um Zentralsonnen, ist es wirklich erwiesen? Vor allem: gilt diese Fehlanzeige allgemein für alle Sterne, die Relativbewegungen zueinander haben? Gilt sie auch für Doppelsterne? Zur Beantwortung dieser Fragen komme ich noch einmal auf die bisherige Diskussion zurück. Wir gingen davon aus, dass anscheinend bisher keine merkliche Veränderung der mittleren Umlaufgeschwindigkeit der Erde um die Sonne festgestellt worden ist und dies, obwohl ein etwas größerer Anteil von Gravionen aus der Gegenrichtung als aus der Richtung der eigenen Umlaufbewegung um das Zentralgestirn auf den Trabanten auftrifft. Dieses Mehr an Kollisionen sollte aber eigentlich sich über längere Zeit kumulativ auswirken, nämlich mit einem Bremseffekt. Dieser verbindet sich aber mit den zentripetalen Effekten der zumindest von außen isotropen Gravionen-Strahlung zu einem Gesamteffekt, zu einer Resultante, welche die Eigenbewegung des Trabanten zum Zentralgestirn hin umlenkt, und damit die Zentripetalkraft verstärkt und die Zentrifugalkraft mindert. Das wiederum wird gleich in eine Verkürzung des Umlaufradius umgesetzt, statt die Eigengeschwindigkeit des Trabanten zu verringern. Dieser Gesamteffekt kann auch noch durch eine ebenso gravitativ bedingte Massenzunahme des Trabanten verstärkt werden, nämlich durch die Aufnahme isotroper Gravionen und durch das Einfangen von Meteoren etc.

Das gilt offenbar tatsächlich für Doppelstern-Pulsare mit ohnehin schon hohen Umlauf-Geschwindigkeiten und kurzen Umlaufzeiten. Diese Doppelsterne wiederum sind keinesfalls als exotische Ausnahmen zu betrachten, da allein in unserer Milchstraße mehr als die Hälfte aller Sterne sich in Doppelsternsystemen befinden (B. F. Schutz, G 23). Bei der Bewegung solcher Doppelsterne umeinander kommt es dazu, dass sie immer enger zusammenrücken. Der Abstand der Sterne voneinander verkleinert sich dabei um einige Meter pro Jahr: "Das Sichnäherkommen der Sterne führt wiederum zu einer Verkürzung der Umlaufperiode. Diesen Effekt konnten die Astronomen tatsächlich durch eine Langzeitbeobachtung eines Doppelpulsars nachweisen" (B. F. Schutz, G 23). Sie stellten fest, dass sich die Umlaufzeit fortwährend verringert. Durch die Abnahme der Bahnperiode müssen sich die beiden Sterne mit der Zeit immer näher kommen, bis sie schließlich unausweichlich miteinander kollidieren (W. Benger, G 57, 60) und letztendlich ineinander zusammenstürzen. Anscheinend werden "drag"-Wirkungen erst dann messbar, wenn es sich um größere Massen mit geringeren Entfernungen voneinander und mit kürzeren Umlaufbahnen und -zeiten handelt.

Solche Vorgänge werden von P. Aufmuth und K. Danzmann (G 28) sowie von H. P. Nollert, M. Kunle und H. Ruder (G 47) als Folge davon interpretiert, dass von den beteiligten Sternen Gravitationswellen abgestrahlt werden, was mit einem Verlust an Bewegungs- und Rotations-Energie verbunden sei. Statt aber wie diese Autoren das Aufkommen von Gravitationskräften von der Bewegung von Sternpaaren abzuleiten, scheint es mir im Rahmen einer Korpuskulartheorie der Gravitation näherzuliegen, stattdessen der Frage nachzugehen, wie es überhaupt zum allmählichen Zusammenrücken eines solchen Sternpaars kommt. Die beschriebenen Phänomene lassen sich m.E. besser auf das zurückführen, was wir im ersten Teil dieses Abschnitts schon als "drag" bezeichnet haben, nämlich als Widerstand, den sehr große um ein Zentralgestirn rotierende Massen aus der zunächst isotropen Gravionenstrahlung erfahren, die ihnen verstärkt und nunmehr anisotrop aus der Gegenrichtung ihrer orbitalen Eigenbewegungen entgegenkommt und bei ihnen immer stärker eine "drag"-Wirkung entfalten kann.

Die Bewegungsänderung solcher Massen ist somit wohl eher ein Effekt des Gravionen-Drag als etwa eine Ursache von Gravitationswellen. Und diese großen Massen fungieren hier eher als Objekt (als "Opfer") von Gravitation denn als Verursacher (als "Täter") von Gravitation. Bei der schon angemerkten Häufigkeit von Doppelsternsystemen wäre das schließliche Ineinanderstürzen zweier Sterne gar nichts Besonderes, sondern ein natürlicherweise erwartbares Sternenschicksal. Auf diese und auf andere dennoch spektakuläre Ereignisse werde ich in einem späteren Abschnitt zurückkommen. Zuvor soll es aber noch um Vorgänge gehen, die nur für ängstliche oder eingeschüchterte Menschen spektakulär sind, obwohl in ihnen, abgesehen von ihrem optischen Nebeneffekt, eigentlich gar nichts Besonderes passiert: gemeint sind die Sonnen- und Mondfinsternisse.