3.7.6. Wo bleibt die Eigenmasse der von Materie absorbierten Gravionen?

Ähnlich wie M. R. Edwards (PG 138), aber noch ausführlicher, hat sich Martin Kokus (Alternate Theories of Gravity and Geology in Earthquake Prediction, PG 285 - 302) mit der Frage befaßt, was mit der Energie der Gravionen geschieht, in welcher Form sie schließlich erscheint, nachdem sie bei unelastischen Kollisionen der Gravionen mit einem massiven Körper auf diesen übertragen wurde (M. Kokus, PG 293). Würde sie ihn aufheizen? Diese Frage haben wir gerade diskutiert. Oder würde die absorbierte Energie (ich würde lieber sagen: würden die absorbierten Gravionen) in neue Masse umgewandelt werden und damit die Gesamtmasse des absorbierenden Körpers erhöhen? K. E. Veselov (Chance Coincidences or Natural Phenomena, PG 179) bejaht die zweite Frage, wenn er ausführt, dass die gravitativ bedingte Beschleunigung eines Körpers auch zu seiner (wenn auch geringen) Massenzunahme führen würde. Zwar seien solche Effekte bei geringen Geschwindigkeiten vernachlässigbar, aber in der Nähe zur Lichtgeschwindigkeit könnten sie beträchtliche Werte erreichen.

In diesem Zusammenhang sollten wir uns daran erinnern, dass die umgekehrt verlaufende Umwandlung von Masse in Bewegungs- bzw. Wärmeenergie inzwischen eine unbestreitbare Tatsache ist, längst erwiesen durch die spontane Radioaktivität mancher Minerale, die Energie-Erzeugung in der Sonne und in anderen Sternen mittels Kernfusion und die nunmehr über ein halbes Jahrhundert realisierte technische und militärische Nutzung der Atomenergie mittels Kernspaltung und Kernfusion. Gleichermaßen weit verbreitet in der Natur sind aber auch die gegenläufigen Prozesse der Umwandlung von Energie in Masse und damit der Bildung neuer Masse (K. E. Veselov, PG 171, 175). So geht Halton Arp (PG 7) inzwischen davon aus, dass im Universum an den verschiedensten Stellen Materie kontinuierlich neu entsteht, und ähnlich schreibt M. R. Edwards (PG 138), dass die absorbierte Energie der Gravionen die Masse und Ruheenergie schon existierender Körper vergrößere. Eine solche Massenzunahme ist nach Veselov (PG 176) jedoch, verglichen mit der Ausgangsmasse, nur sehr gering, und daher ist, innerhalb eines begrenzten Zeitintervalls, ihre Auswirkung auf die Flugbahn (von Planeten), soweit Newtons Gesetz gilt, nur geringfügig. Und insgesamt erwarte ich, dass beide Arten der Umwandlung und des Austauschs von Energie und Masse leichter erklärt werden können, wenn man sich auch bei der Gravitation auf ein Korpuskular-Modell berufen kann.

M. Kokus (PG 294) weist insbesondere darauf hin, dass die Absorption von Gravionen, die sich als Schwerkraft auswirkt, die Masse der Erde erhöhen würde, ähnlich auch Kierein (PG 134): Die durch diesen Absorptionseffekt bedingte Massenzunahme planetarischer Körper sei die Grundlage für Theorien der expandierenden Erde (Carey 1988; Kierein 1992), und zwar vollzieht sich diese Massenzunahme vorwiegend im dichten und dadurch stärker die Gravionen absorbierenden Kern der Planeten und unter ihnen auch der Erde. Die Massenzunahme würde im Einzelnen zu einer Vergrößerung des Gesamtvolumens des Planeten führen, feststellbar an seiner zwar sehr langsamen, aber in kosmologischen Zeitabläufen dennoch relevant werdenden Expansion. Im Falle der Erde, deren Kruste relativ starr ist gegenüber den darunter befindlichen Schichten, würde dies zu einem Aufbrechen dieser Kruste in größere Blöcke führen, die zunächst von nur schmalen, dann immer weiter werdenden "Rifts" getrennt würden und dann Relativbewegungen zunächst voneinander weg und später ggf. sogar wieder zueinander hin vollführen könnten.

Es gibt einige geologische Phänomene, wie das Zusammenpassen mancher Kontinente an ihren Rändern mit den Küstenformen anderer Kontinente, die seit Alfred Wegener als Auswirkung von Kontinentalverschiebungen erklärt werden. Diese wiederum werden auf Konvektionszonen im Erdmantel zurückgeführt, welche bewirken, dass in bestimmten Spreizungszonen der großen Ozeane Materie emporquillt und zur Neubildung und weiteren Ausbreitung der ozeanischen Kruste ("sea-floor-spreading") führt, was wiederum einen Druck auf die leichteren Kontinentalblöcke ausübt. Es ist bekannt, dass sich die relativ jungen Gesteine des Meeresbodens der großen Ozeane mineralogisch-chemisch von den alten Gesteinen der Kontinentalblöcke deutlich unterscheiden. Neben der Ausbreitung des Meeresbodens tragen auch Risse und Spalten in alten Kontinentalblöcken, so etwa parallel zur afrikanischen Ostküste, zur Entstehung neuer Teilkontinente und zu ihrer weiteren Verschiebung bei.

Nach Veselov könnte Wegener mit seiner Theorie der Kontinentalverschiebung einer Art optischen Täuschung erlegen sein, denn die ziemlich schnelle Ausbreitung der Ozeane und der kontinentalen Spalten verursache nur den Eindruck einer davon angetriebenen Bewegung der kontinentalen Blöcke, die tatsächlich gar nicht stattfinde. All die genannten Phänomene seien vielmehr bedingt durch eine Massen- und damit Größenzunahme der Erde, an der die alten Kontinentalblöcke wegen ihrer Starre nicht oder im weitaus geringeren Maße teilhätten, während die ozeanischen Böden durch in den Spreizungszonen aufquellende Materie ständig erweitert werden könnten (K. E. Veselov, PG 178). Ob der Anspruch von Veselov, dass nunmehr "all die genannten Phänomene" auf eine Massenzunahme der Erde zurückzuführen seien, in dieser Totalität gerechtfertigt ist, wage ich zu bezweifeln. Aber dass eine Massenzunahme dabei eine wichtige Rolle spielt, scheint mir nahe zu liegen. Das gilt nicht nur für die Erde. Denn ähnlich wie die Risse und Spalten der Kontinentalblöcke der Erde gibt es solche Formationen auch auf dem Mond und auch auf Planeten des Sonnensystems und auf ihren Satelliten, was dafür spricht, dass auf diesen Himmelskörpern ähnliche Prozesse abgelaufen sind wie auf der Erde (K. E. Veselov, PG 179).

Veselov (PG 177) und Kokus (PG 294) rekonstruieren die planetarisch-geologische Entwicklung der Erde und beschreiben sie ganz anschaulich: Danach war die Erde in einem frühen Stadium noch völlig von einer relativ dünnen, aber festen Kruste bedeckt, noch ohne Becken, die sich erst später bildeten und mit den Wassern der Ozeane auffüllten. Wegen der geringen Wachstumsrate der Erdmasse wurde die Kruste bei der Expansion entweder ausgedehnt oder es bildeten sich in ihr erste Risse. Mit zunehmendem Wachstum von Masse und Größe der Erde wurde die Kruste dicker und die Risse erweiterten sich zu Spalten. Schließlich begann die Kruste insgesamt in große Blöcke aufzubrechen mit größer werdenden Zwischenräumen zwischen ihnen, die sich mit leichterem Material des unteren Erdmantels, die aus den mittelozeanischen Spreizungszonen hervorquollen, und schließlich mit den Wassermassen der Ozeane auffüllten. Durch solches Aufquellen von leichterer Mantelmaterie bedingt konnten größere Blöcke der Erdkruste auch auseinanderdriften. Ob dies dabei auch zur Subduktion (zum Abtauchen) einer Platte unter eine andere führen konnte, ist für K. E. Veselov (PG 178) und auch für M. Kokus strittig. Jedenfalls gibt es keine Subduktion entlang der afrikanischen und antarktischen Küsten (PG 294). Ich selber denke, dass andererseits beispielsweise die Subduktion des nördlichen Randes des Gondwana-Kontinents unter die eurasische Platte mit dem Effekt der Bildung des Himalaya-Hochgebirgsbogens unbezweifelbar ist. Solche Fragen sind weiterhin in geologischen Einzeluntersuchungen zu klären.

Insgesamt aber kann in der Sicht dieser Autoren das Auseinandertreiben der Kontinente und die Ausbreitung der Ozeane allein mit der Kontinental-Drift nicht ausreichend erklärt werden, während umgekehrt diese Phänomene mit Hilfe der Erdexpansion vergleichsweise leichter wissenschaftlich ableitbar sind und leichter verständlich werden. Gegen eine Erklärung der Kontinentalverschiebung ausschließlich über die Plattentektonik und über thermische Konvektionen unterhalb des Erdmantels wendet M. Kokus (PG 293) ein, dass Satellitenmessungen eindeutig gegen die Kontinental-Verschiebung sprechen und stattdessen eine Wachstumsrate der Erdexpansion von etwa 1 cm im Jahr (Carey 1988, 1996) unterstützen. Da kommt in Hunderten von Millionen Jahren einiges zusammen! Somit könnte die Massen- und Größenzunahme der Erde viele der geologischen Phänomene im Zusammenhang mit der Theorie der Plattentektonik erklären (K. E. Veselov, PG 178). Es gibt sogar schon Einschätzungen, um wie viel die Erde kleiner war, bevor die Erdexpansion nach dem Vorhandensein einer festen Kruste weiter fortschritt. Man muss dazu nur versuchen, die heute vorfindbaren Kontinentalplatten am Modell so zusammenzuschieben, dass sie ohne große Lücken oder überstehende Ecken zusammenpassen. Das ist der Fall bei einem zu einer geologisch weit zurückliegenden Zeit viel kleineren Erddurchmesser (J. Kierein, PG 134). Nach M. R. Edwards (PG 149) entspricht das etwa 50 - 60 % des gegenwärtigen Radius der Erde (Jordan1971; Wesson 1973, 1976; Carey 1988; Dickford 1996). Die angebliche Verschiebung der Kontinente wäre demnach so etwas wie eine optische Täuschung beim Insistieren darauf, dass der Erddurchmesser konstant sei. Insgesamt besticht diese Interpretation des Zusammenpassens der Kontinente auf Grund einer Massenausdehnung der Erde durch ihre Einfachheit (M. Kokus, PG 293).

Auch die typische Signatur des Auftretens von Erdbeben kann nach M. Kokus (PG 295) mit einem Expansionsmodell erklärt werden. Dabei spielen Spannungen eine Rolle, die sich aus der Verteilung der Kontinentalplatten relativ zum Äquator ergeben. Wenn die Erde sich ausdehnt, wird die Westdrift der Platten wegen der Erhaltung der Winkel(dreh)momente proportional sein zu ihren Trägheitsmomenten pro Masse. Da aber die nördliche Hemisphäre vorwiegend Kontinente umfasst und die südliche Hemisphäre vorwiegend Ozeane, dreht sich die nördliche Hemisphäre nach Westen im Unterschied zur südlichen Hemisphäre, was zu Reibungseffekten führen muss. Übrigens sollte im Falle von nicht rotierenden Planeten oder Monden die Massenanreicherung stärker die im Verhältnis zum Zentralgestirn abgelegene Außenseite des Begleiters betreffen und dadurch zu einer einseitig betonten Massenzunahme führen.